Umorientierung

Was wird das Unwort des Jahres 2020? Coronavirus? Quarantäne?

Bist du gerade in Quarantäne oder hast du sie schon hinter dir, weil jemand aus deinem Bekanntenkreis positiv getestet wurde? Was sind deine Erfahrungen damit?

Bei der Brustkrebsbehandlung erlebe ich eine Art Ausnahmezustand. Bei dem dreiwöchigen Rhythmus der ersten Chemo-Rezeptur fühle ich mich in der dritten Woche schon wieder unternehmungslustiger und nicht mehr so müde und schlapp wie in den ersten zwei Wochen. Aber an Unterrichten in der Schule ist nicht zu denken. Einmal probiere ich es aus. Ich unterstütze eine Kollegin an einem Schulvormittag bei ihrem Projekt. Die Kollegen freuen sich, mich so „wohlauf“ (natürlich mit Perücke) zu sehen, doch ich spüre, wie anstrengend die Schülerinnen und Schüler sind und wie schnell sie mich nerven. Ich merke schnell, dass mir dies zusätzlich zu Haushalt, Gartenarbeit und Familie zu viel ist.

Aber was dann? Wie fülle ich meine plötzlich entstandene freie Zeit, während mein Mann weiterhin als Geschäftsführer viel zu arbeiten hat? Jesus, was denkst du dazu?

Ich mache mir eine Liste von Dingen, die mir gut tun können und die ich schon lange tun wollte: Malen, mit dem Klavier Lieder begleiten lernen, stricken, gute Bücher lesen, mich weiterbilden etc. Und so wendet sich die Zeit der beruflichen Beschäftigung in ein Notprogramm: ich lerne Menschen kennen, die gerne von mir Hebräisch lesen und schreiben lernen wollen. Ich höre von Online-Modulen einer christlichen Akademie, die ich von zuhause besuchen und bearbeiten kann. Genial – ich lerne diese Auszeit sinnvoll zu nutzen!

Doch ich spüre auch, dass ich schnell in eine Falle des Freizeitaktivismus verfallen kann, dass ich unbedingt vor mir selbst und auch vor anderen etwas sichtbar Erledigtes aufweisen möchte, vor allem wenn eine Nachbarin mich fragt: „Was schaffst du heute?“

Auf Nachfrage leihen mir Freunde gute, gehaltvolle Bücher über die Beziehungspflege zu Jesus. So manche Zitate, die mich inspirieren, wie das Folgende, schreibe ich mir in mein Tagebuch:

„Gott belohnt uns nach der Intensität, mit der wir ihm nachjagen.“ (Bob Sorge: Geheimnisse aus der Verborgenheit mit Gott, S. 52)

Langsam lerne ich in dieser geschenkten Auszeit einfach zu sein, in der Gegenwart meines Liebhabers Jesus zu sein, ohne etwas zu leisten, denn ich möchte ihn mehr kennen lernen und noch vertrauter mit ihm werden, denn die Bestimmung von uns menschlichen Lebewesen ist:

„Gott zu genießen, denn er genießt mich.“ (Uwe Meyer von Passion in Schwäbisch Hall)

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