Üble Aussichten

Der ganze Verdauungstrakt ist mehrere Tage nach den ersten vier Chemos völlig durcheinander. Trotz allen Mitteln wie Backpflaumen, Sauerkrautsaft, Braunhirsemehl kommt meine Verdauung nicht in Schwung, sondern ist verstopft – und das tagelang! Ich trinke den Tag über fast nichts, da ich mich immer wieder übergeben muss. Auf so manche Lieblingsspeise habe ich keinen Appetit. Ich beschließe, wenn es geht, mir mit Frucht-  und Gemüsesäften ein wenig Mineral- und Nährstoffe zuzuführen. Außerdem nehme ich weiterhin Selen, Zink und Vitamin D zum Aufbau meiner Abwehrkräfte.

Und wird es mir so elend und matt nach jeder Chemo gehen? 16 Mal? Und wenn ich so manchen Krebspatienten zuhöre und ihnen glaube, dass es immer schlimmer wird, da der Körper durch die Behandlung immer schwächer wird. Das will ich mir gar nicht vorstellen!

Der Schrei (in Anlehnung an Edvard Munch) – Ölpastellkreiden © hsr

Jetzt weiß ich, warum ich nach jeder der ersten vier Chemotherapien 3 Wochen Pause angesetzt ist: damit sich mein Körper wieder berappeln kann und fit genug wird für die neue Dosis!

Puh! Was für Aussichten! Jesus, wie denkst Du darüber?

Ich finde den folgendenVers in der Bibel:

„Und diese Zeichen werden denen folgen, die glauben. … Sie werden Schlangen anfassen oder Tödliches (wie das Zellgift bei der Chemo) trinken und es wird ihnen nicht schaden.“ (Markusevangelium Kapitel 16, Verse 17a + 18)

Dieses Wort nehme ich für mich persönlich wie Medizin in mir auf und vertraue darauf. Und wenn die Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Verstopfung kommen, dann spreche ich im Auftrag meines Gottes, dass sie gemäß dieses Wortes verschwinden müssen. Und dies mehrmals am Tag, auch wenn ich keine positive Entwicklung in meinem Körper verspüre!

Und so erlebe ich in der Zeit der ersten vier Chemotherapien etwas Außergewöhnliches, worüber ich Gott sehr dankbar bin: Die Nebenwirkungen sind auch nach mehreren Chemos nicht so schlimm, wie sie mir von vielen prognostiziert wurden.

Hast du auch schon erlebt, dass die negativen Prognosen wie z.B. „Sie haben Covid -19“ oder „Ihr Test war positiv“, die dir zugesagt wurden, dich ziemlich durcheinander gewirbelt haben? Hast du dir das schlimmste Szenario vor deinen inneren Augen ausgemalt? Und ist es so schlimm eingetroffen? Oder wesentlich positiver?

Stürmische Zeiten

Welche stürmischen Zeiten hast du erlebt oder erlebst du gerade? Was hat dir geholfen, sie zu meistern?

Die Ruhe vor dem Sturm – Mischtechnik © hsr

Nach der ersten Chemo kann ich gerade noch zuhause Essensreste vom Vortrag aufwärmen und Salat machen. Dabei bin ich so müde. Fast schweigend essen mein Mann und ich zu Mittag. Mit mir ist einfach heute nichts los. Dann lege ich mich ins Bett und schlafe ca. drei Stunden meinen “Rausch“ aus. Abends fühle ich mich zwar mitgenommen, aber immerhin wacher. Ich schaffe es sogar meinem Mann wenige Meter auf seinem Heimweg entgegenzugehen. Am nächsten Tag schlucke ich mit innerer Überwindung brav die großen Tabletten und bin noch ein wenig müde, aber auch erstaunt, dass es mir gar nicht so schlecht geht, wie ich erwartet habe. Ich kann sogar einkaufen. Abends kann ich zur Grillfete meiner Schulkollegen fahren. Sie sind neugierig, wie es mir geht und wie es mir bisher ergangen ist und ich berichte ihnen fröhlich.

Am vierten Tag nach der ersten Chemotherapie geht es mir ganz mies. Ich muss mich mehrmals übergeben. Mein Kreislauf kollabiert. So liege ich im Bad auf dem Fußboden, bis ich mich wieder aufrichten kann, um ins Bett zu wanken. Dann ein paar Stunden später versuche ich nochmals aufzustehen. Meinen Mann habe ich inzwischen ins Büro verabschiedet. Ein Stockwerk tiefer muss ich mich schon wieder übergeben und schaffe es gerade noch zum Klo. Auch davon muss sich mein Kreislauf erst wieder erholen. Und so liege ich auf dem Fußboden.

„Gott, hilf mir!“‚ bettle ich regelrecht. Ich fühle mich so elend.

Wenig später lege ich mich auf die Coach und döse ein wenig, da ich so matt bin. Dann greife ich nach dem Buch „Geistliches Espresso“, das ich mir extra für diese Auszeit gekauft habe und lese dort über die Stürme des Lebens.

„Ach, das passt ja! Ich stecke gerade in einem heftigen inneren und äußeren Sturm.“

Dort heißt es, dass manche Stürme von Gott kommen, wie bei Jona, um uns zu Gott zurückzubringen, andere Stürme, wie den, den die Freunde Jesu erlebt haben, war von Gottes Gegenspieler, Mr. Dunkel, initiiert worden, um sie vom Willen Gottes wegzubringen (Bill Johnson u.a. „Geistliches Espresso“, S. 29-34). Die Freunde Jesu bitten und betteln während des Sturmes, wie ich gerade, wo es mir so mies geht. Sie wecken Jesus schließlich auf und er tadelt sie. Warum das denn? Sie hatten doch genug Glauben, dass sie sich an Jesus wandten und ihn weckten.

„Was war da falsch?“ frage ich mich.

„Jesus machte seinen Freunden klar, dass es ihre Verantwortung war, dem Sturm Einhalt zu gebieten. Sie hatten ihre Werkzeuge, die sie von Jesus gelernt hatten, im Boot gelassen und vergessen.“

Ach so! Jesus, Du möchtest, dass ich in solch einer Situation mit Dir herrsche und die Nebenwirkungen wie einen Sturm in Deinem Auftrag wegschicke und wie bei einem Paket die Annahme verweigere.“

Hast du mit dieser „Annahme verweigert“ Haltung schon Erfahrungen gemacht? Bitte schreibe mir eine Email, damit ich daran teilhaben kann.