Über den Horizont hinaus

Gott sagt: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und meine Wege sind nicht eure Wege. Denn wie der Himmel die Erde überragt, so sind auch meine Wege viel höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denkt an den Regen und den Schnee! Sie fallen vom Himmel und bleiben nicht ohne Wirkung: sie tränken die Erde und machen sie fruchtbar; alles sprießt und wächst. So bekommt der Bauer wieder Samen für die nächste Aussaat, und er hat genügend Brot. Genauso ist mein Wort: Es bleibt nicht ohne Wirkung, sondern erreicht, was ich will, und es führt das aus, was ich ihm aufgetragen habe“ (Jesaja Kapitel 55, Verse 8 – 11).

Fotos von einer Reise nach Israel © hsr

Liebe(r) kleine(r) Gedankenleser(in),

wie du merkst, übersteigen meine Gedanken und Erfahrungen – auch über Kinder und Jugendliche – weit deinen Horizont und deinen Erfahrungsschatz. Deshalb wünsche ich mir so sehr, dass du mehr und mehr in meine Gedanken und Worte und Urteile (über dich und deine Schüler/Kollegen) eintauchst und meinen Herzschlag für diese Welt (und dich!) verstehst und spürst. Das wird dich im Inneren sättigen und stärken, dass du nicht so leicht ausbrennst.

Außerdem möchte ich, dass du meine Worte hörst und bewegst, weil darunter Worte sind, die du deinen Schülern sagen sollst. Du bist mein Prophet – mein Sprachrohr – für sie! Deshalb frage mich immer wieder, was du deinen Schülern an Weisheit und Werten, eingebettet in deinen Unterrichtsstoff und deine Unterrichtsgestaltung, weitergeben kannst. Ich kann dir auch Unterrichtsideen und relevante Unterrichtsthemen aufschließen oder Ideen für Klassenandachten, Schülergottesdienste etc. eröffnen, auf die du selbst nicht gekommen wärst.

Herr, ich öffne meinen Verstand und mein ganzes Wesen für Dein Reden. Ich will täglich mich mit Deinem Wort stärken. Aber Du darfst auch im Unterricht zu mir sprechen und mir Worte und Eindrücke über bzw. für meine Schüler geben. Hilf mir, diese angemessen weiterzugeben. Ich bin bereit, Dein Sprachrohr in dieser Klasse zu sein.

Kann ich meinem Verstand trauen?

„Vertraue auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand; erkenne ihn auf allen deinen Wegen, so wird er deine Pfade ebnen… Halte dich nicht selbst für weise.“ (Sprüche Kapitel 3, Verse 5 – 7)

Als ich kürzlich mit Kollegen im An-dacht-sraum der (evangelischen) Schule gebetet habe, wurde uns deutlich, dass in diesem Raum viel über Gott nachgedacht wurde, er aber kaum angebetet wurde. Das hat mich stutzig gemacht. Und ich habe überlegt, in unseren Andachten und Gesprächen mit Schülern ist das oft auch so. Wir reden über Gott – aber nicht mit ihm.

„Intimität“ Aquarell – © hsr

Mir scheint, dass ich als Pädagoge dem rationalen Denken einen großen Stellenwert einräume. Und ja, das Denken und die Vernunft sind eine herrliche Gabe Gottes, für die ich dankbar bin und die ich wertschätze.

Aber wo habe ich in unserem „Bildungsgeschäft“ auch den humanistischen Zeitgeist wie ein uns ansteckender Virus eingefangen, dass ich glaube, Bildung sei allein „jene kritische Rationalität des Menschen, die ihm Einblick in die gesellschaftlichen Bedingungen seiner Existenz ermöglicht und die ihn veranlasst, im Namen der Vernunft und Gerechtigkeit an der Verbesserung des individuellen und sozialen Lebens in Richtung zunehmende Menschlichkeit mitzuwirken“ (Erich Weber: Pädagogik – eine Einführung, Auer- Verlag, 7.Aufl. Donauwörth, 1972, S.64)?

Ist die Vernunft – meine eigene und die der Lernenden – zu einem modernen Götzen geworden, auf die wir vor allem zähle und nach der wir uns richten?

Jesus, vergib mir, wo ich mich als Lehrende selbst für weise gehalten habe und eher meiner Vernunft und logischen Überlegungen gefolgt bin als Dir. Herr, ich löse mich von diesem Denken und bete Dich allein an.