Nichts! Geheilt!!!

Kennst du das auch, wenn du bange vor einen Arzttermin im Warteraum sitzt und dich fragst, was wohl dieses Mal heraus kommen wird? Ich kenne das und habe inzwischen fast ein wenig Routine darin.

Denn nach drei Monaten (mit sieben Chemos: 4 x Epirubicin & Cyclophosamid und 3 x Paclitaxel und 1 x Carboplatin) ist ein weiterer Termin zur Ultraschallüberprüfung angesagt. Die Ärztin beäugt wieder die Stelle. Sie kann keinen Tumor feststellen. Nichts!!!

Jetzt müsste ich eigentlich jubeln und auf und ab hüpfen, doch vor lauter Müdigkeit und mich Schlechtfühlens geht dies nicht so recht. Mein Mann freut sich schneller. Es braucht ein paar Tage, bis diese Nachricht in mich hinein sickert. Dann erst bricht Freude und Jubel in mir aus, den ich auch gleich mit der Familie und den Freunden und der Gemeinde teile, die für mich gebetet und mitgeglaubt haben.

Juhu! Halleluja! Danke, Jesus, für deine durchschlagende Kraft der kompletten Heilung des Tumors!

Ich spüre neue Leichtigkeit.

„Leichtigkeit“ – Collage © hsr

Diese Heilung will ich feiern. Bei all der hygienischen Vorsicht der letzten 4 Monate entscheiden wir uns, in das beheizte Freibad am Ort zu gehen, das wir vor der Diagnose wöchentlich besucht haben. Ich kann es so genießen, mich wie ein Fisch im Wasser wohl zu fühlen und meine Runden zu schwimmen. Herrlich!

Die zweite Art der Chemo

Bei den Injektionen von Carbo-Platin überfällt mich nach kurzer Zeit bleierne Müdigkeit, so dass ich nur noch vor mich hindösen kann. Anfangs versuche ich Lobpreismusik zu hören und in einer göttlichen Sprache, die Gott mir gemäß 1. Korintherbrief Kapitel 14 Vers 4 zur inneren Stärkung geschenkt hat, zu beten. Doch danach will ich nur noch schlummern. Wieder sind Erbrechen, Übelkeit und Müdigkeit die Begleiterscheinungen. Noch zwölf Male diese Prozedur– das klingt unendlich lang! Ich spüre, wie diese wöchentlichen Chemos meinen Glauben auf Echtheit prüft.

In einem Gottesdienst singen wir das Lied „Allein durch Gnade steh ich hier“ von Urban Life. Ich kannte es vorher nicht. Eine Zeile berührt mich tief: „Durchbohrte Hände halten mich“

Ja, Jesus, du hältst mich und du hältst mich aus.

Diese Zeile aus dem Lied spricht mich so tief an, dass ich sie während einem offenen Atelier, das von der Klinik für Krebspatienten Freitag nachmittags angeboten wird, in einer Collage verarbeite:

Collage „Durchbohrte Hände halten mich“ © hsr

Geheilt? – Bleiben!

Mit meinem Mann gehe ich zu einer christlichen Veranstaltung – mit Perücke, damit niemand mich mitleidsvoll anblickt.

Dort hat der Redner ganz überraschend den inneren Impuls, dass er Krebszellen von Menschen, die sich in diesem Raum befinden, verfluchen soll, damit sie absterben. Das trifft mich! Woher kann der das denn wissen? Mit meiner Perücke erkennt man wirklich meine Diagnose nicht. Doch ich nehme diesen Impuls als von Jesus stammend und halte daran fest, dass ich in Jesus geheilt bin.

Nur fünf Tage später nach diesem Event (nach der zweiten Chemo) habe ich wieder einen Termin bei der Gynäkologin, die eine Ultraschallaufnahme von dem Tumor machen will.

Ob ich jetzt geheilt bin? Ob noch Krebszellen in der Brust gefunden werden?

Mein Mann kommt zur Untersuchung mit und bekommt einen Schrecken – der Tumor auf dem Bildschirm sieht etwas größer aus als das letzte Mal. Doch die Ärztin hat eine beruhigende Nachricht für uns. Der Tumor ist von einem Volumen von 4,2 ml auf 0,6 ml – d.h. um das 7-fache – geschrumpft. Auf dem Bild sah der Tumor nur deswegen größer aus, weil die Ärztin ihn zum besseren Vermessen vergrößert hatte.

Das warst du, Jesus! Danke für die Verkleinerung! Ich halte daran fest, dass die Heilung weiter voranschreiten wird, denn die Zahl 7 steht in der Bibel für Vollkommenheit und Vollendung.

Dann erinnere ich mich, dass ich vor einigen Jahren einen Audio-Download von Chris Gore, dem damaligen Leiter der Healing Ministries von Bethel, bekommen hatte. Da ich mich in dieser Auszeit mit Gutem füllen möchte, höre ich den Vortrag an:

Aus seiner Erfahrung mit Heilung von Krebs sagt er, dass Gott Krebs oft nicht sofort durch seine Kraft und Gebet heilt, sondern dass diese Heilung oft ein Prozess ist. Der beste Weg, diese Heilung von Gott zu empfangen, sei der anhaltende Dank Gott gegenüber, auch bei kleinen Verbesserungen und „Anfängen, die wir nicht verachten sollen“ (Sacharja 4, 10).

Chris Gore meint auch, dass oft Krankheitssymptome zurückkehren würden und diese uns dann zum Denken verleiten wollen: „Gott hat mich offenbar doch nicht geheilt“. Wenn wir dieser Lüge glauben, würden wir die Tür zur Angst öffnen und den Symptomen erlauben zu bleiben. Stattdessen solle man dem Feind, Mr. Dunkel, das Vertrauen zu Gott entgegensetzen: „Jesus hat mich geheilt. Ich werde die Symptome nicht akzeptieren“.

Weiterhin erklärt Chris Gore, dass wir es nicht verdient haben, geheilt zu werden. Es ist und bleibt ein Geschenk.

Zusätzlich kommt Verantwortung auf die Person zu, die Heilung erlebt. Sie muss sich um einen neuen, gesünderen Lebensstil bemühen, was nicht immer leicht ist. Es ist eine Form des Lobpreises, sich für Jesus gesund zu ernähren, sich genügend zu bewegen und auf den eigenen Körper zu achten. Außerdem muss die Person bereit sein, nach der Heilung wieder zu arbeiten oder finanzielle Vorteile aufzugeben.

„Willst du gesund werden?“ (Johannesbuch Kapitel 5, Vers 6)“ hat Jesus einen Gelähmten damals gefragt.

Was für eine seltsame Frage! Das will doch jeder!

Aber so seltsam ist die Frage gar nicht. Krankheit hat zwar seine Herausforderungen, Gesundheit aber auch!

Behandlungsbeginn

Auf Rat der Frauenärztin in der Klinik entschließe ich mich, mir eine frische Sommerfrisur schneiden zu lassen, so dass der Übergang zur haarlosen Zeit bzw. der Zeit mit Perücke nicht so krass wird.

Ich lese Psalm 91 und freue mich über den Zuspruch vom himmlischen Liebhaber.

Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. (Psalm 91,4)

Danke, Jesus, dass du mich kennst. Ich berge mich bei allem emotionalen Auf und Ab unter den Flügeln deiner Nähe.

Es folgen Aufklärungsgespräche zur Chemotherapie und zur Portanlage. Für den kleinen operativen Eingriff, bei dem mir ein Port gelegt wird, beanspruche ich diesen Schutz. Leider bekomme ich trotz lokaler Narkose mit, dass ein Arzt in Ausbildung unter Anleitung eines Facharztes diesen Port einbaut.

Na ja, jeder muss eben lernen und selbst ausprobieren – doch möglichst nicht an mir!

Ich überlege mir, wie ich den Brustkrebs positiv benennen kann.

Worte haben ja schließlich Macht.

Ich rede nicht von meiner Krankheit, denn dann habe ich ja die Krankheit angenommen und zu meiner eigenen gemacht. Dann bin ich krank und das will ich nicht sein. Ich habe auch nicht Krebs, sondern ich komme zu dem Schluss, dass ich eine Diagnose habe – böse Zellen in der rechten Brust – und eine Behandlung bekomme, die ich als Chemo oder Cocktail bezeichne. Für meinen eingebauten Port finde ich auch ein Wort. Ich nenne ich liebevoll „Stöpsel“.

Ich beginne vorsichtig, Menschen, die mir nahe stehen, von der Erkrankung zu berichten. Ich spüre schnell, dass nicht alle Menschen gut damit umgehen können. Meinen Schulleiter habe ich ja schon vor den Pfingstferien von der Diagnose und der wahrscheinlichen Behandlung und meinem Ausfall in Kenntnis gesetzt. Er hat ganz verständnisvoll reagiert.

Ein anderer hat nur gemeint, dass ich mir doch die Brüste abnehmen lassen soll, denn dann hätte ich doch „Ruhe“. Oder andere haben mir von Bekannten erzählt, die auch diesselbe Diagnose hatten und die sehr unter der Chemotherapie litten, Metastasen bekommen hatten und schlussendlich daran gestorben waren.

Danke! Wisst ihr eigentlich, was ihr da gerade sagt? Muss ich mir dies wirklich anhören?

Solche unsensiblen Menschen gegenüber musste ich mich immer wieder entschließen zu vergeben.

In der Lebensgruppe meiner Kirche erzähle ich in der Austauschrunde von dem Befund. Nach dem erstem Schock beten der Pastor und die anderen Teilnehmer für meine Heilung. Es tut gut, andere an diesem „Einbruch“ teilhaben zu lassen und Unterstützung im Gebet zu finden. Das Anliegen wird anonym der Kirche zum Gebet vorgelegt. Mir wird angeboten, dass die Ältesten der Kirche für mich beten und mich salben, so wie es im Jakobusbrief 5,14 erwähnt wird.

Ja, das will ich annehmen.

Zweite Etappe

Das „Ding“ ist in meiner rechten Brust nicht durch ein Wunder sichtbar geschrumpft, wie wir es erbeten haben. So wird mir in der nächsten Brustsprechstunde berichtet.

Okay, dann beginnt die zweite Etappe: Dann wirst du mich, Jesus, durch den Prozess der Chemo heilen.

Für meine Heilung ist Jesus gestorben und hat dafür bezahlt. In der Bibel lese ich, wie Jesus alle Kranken, die zu ihm kamen, geheilt hat – nicht nur einige.

In seinem Körper hat er unsere Sünden auf das Holz (Kreuz) hinaufgetragen, damit wir – für die Sünden gestorben – nun so leben, wie es vor Gott recht ist. Durch seine Wunden (Striemen) seid ihr heil geworden. (1. Petrus 2,4)

Das ist wie ein Bon, den ich jetzt einlösen kann. Es dauert vielleicht eine Weile, bis ich die Heilung bekomme, aber sie ist jetzt schon mein. Wie bei manchen Fastfoodrestaurants warte ich, bis meine Nummer oder mein Name aufgerufen wird und dann kann ich das Bestellte abholen. (B & B Johnson u.a.: Geistlicher Espresso, Grain Press 2013 S.12)

Meine Schwester und andere ermutigen mich, zu einer Heilpraktikerin zu gehen und mich nach alternativen Therapien und Nahrungsergänzungsmittel umzuschauen. Ich erhalte ein Buch von der Deutschen Gesundheitshilfe (Die richtigen Mikronährstoffe bei Krebs) über die positive Wirkungsweisen von Selen, D3 und Vitamin C während der Chemotherapie, so dass die Nebenwirkungen nicht so stark ausfallen sollen.

Außerdem lese ich ein Buch mit dem Titel „Gesund mit der Bibel – Der Weg zu ganzheitlicher Gesundheit und Heilung, 2000)“ von dem Arzt Dr. Reginald Cherry.

Jesus, ich bin verwirrt. Gefühlt erzählt mir jeder von einem anderen Mittelchen, das geholfen hat. Jesus, was soll ich tun?

Ich bin innerlich hin- und hergerissen und erzähle meinem Mann von den verschiedenen Heilmitteln und er reagiert alarmiert. So kenne ich ihn gar nicht. Er ist doch sonst immer die Ruhe selbst. Dann erzählt er mir, dass seine erste Frau, damals im März ihre Krebsdiagnose bekommen hatte und sich bis Juli gegen Chemotherapie gewehrt hatte und nach anderen Alternativen im Internet recherchiert hatte, bis sie recht spät und mit Widerwillen doch die Chemo begonnen hat. Jetzt verstehe ich besser, warum er nicht will, dass ich die Chemotherapie aufschiebe.

Jesus, welche zusätzlichen Mittel soll ich während der Chemotherapie einnehmen?

Ich decke mich ein mit Selen und D3, Zink und Artemisia-Tee aus der gleichnamigen Pflanze, die inzwischen in unserem Garten wächst, ein. Das soll mein Immunsystem stärken. Außerdem lese ich in einem Buch über „Alternative Heilmethoden – ein ärztlicher Leitfaden aus biblischer Sicht“ von Dr Mathias Kropf (Missionswerk Karlsruhe 2008) , dass Dr Carl Peterson, ein Gehirnspezialist der Oral Roberts Universität in Tulsa, Oklahoma, der auf dem Gebiet der Beziehung von Sprachengebet und menschliches Gehirn forschte, herausgefunden hat, dass während des Sprachengebets im Gehirn zwei chemische Substanzen freigesetzt werden, die in unserem Blutkreislauf gelangen und dort die Effektivität unseres Immunsystems um 35 – 40% steigern. Dieser Vorgang wird von einem Teil des Gehirns gesteuert, von dem man bisher annahm, dass er keinerlei Funktion habe (S.248).

Nun fange ich an, regelmäßig in dieser Geheimsprache mit meinem lieben Vater im Himmel zu reden.

Herrlich so mit dir, Jesus, jederzeit online zu sein!

Ich habe auch gelesen, dass bei aggressiven Krebszellen die Wahrscheinlichkeit der Wiedererkrankung höher liegt.

Jesus, ich lege dir meine Ängste hin.

In 5. Mose 31, 6 steht:

Seid getrost und unverzagt, fürchtet euch nicht und lasst euch nicht vor ihnen grauen; denn der Herr, dein Gott, wird selber mit dir ziehen und wird die Hand nicht abtun und dich nicht verlassen.