Tanz im Wind

Ich liebe den Wind, wie er meine Haut berührt und zart streichelt, wie er mir durchs Haar streicht und meine Haare im Wind flattern. Ein willkommener, zärtlicher Gruß von Dir, Jesus?

Collage „Tanz im Wind des Herrn“ © hsr

Danke, dass ich jetzt so fühlen kann!

Ich kann mich noch gut an meine „Eiszeit“ erinnern, wo mein Gespür dafür ziemlich abgestumpft und kaum vorhanden, war.

Gegen Ende meiner „Eiszeit“ habe ich Dir den bisher versteckt gehaltenen Raum im Keller meines Lebenshauses mit Zittern und Zagen aufgeschlossen und Dich gebeten, einzutreten. Du bist ja ein Gentleman, der auf unsere Einladung wartet.

Du hast diesen für mich mit Angst besetzten Raum, den Raum meiner Sexualität, ausgeleuchtet mit Deinem wärmenden Licht und gefüllt mit Deiner liebevoll zärtlichen Gegenwart.

Dann hast Du angefangen aufzuräumen. Dinge, die am falschen Platz waren, hast Du wieder an die richtige Stelle gerückt und falsche Vorstellungen, geprägt von Hollywood und deren Filmen, korrigiert.

Mit großer Leichtigkeit hast Du Dich in diesem Raum bewegt, ja sogar getanzt und mich zum Mittanzen eingeladen.

Abgeholzt!

Da liegt ein Baumstamm, vielleicht durch Menschenhand gefällt oder in den Stürmen der Nacht umgeknickt, starr, leblos, tot.

Meine Kindheit wurde mir durch den Missbrauch abgeholzt, durch Hände, die hätten lieben sollen, zerstört, kalt, leblos, tot.

Neues Leben – Collage © hsr

Und doch ich schaue genau hin! Ein junger Baum, ein neuer Trieb, wächst aus dem toten Stamm. Es wächst Leben. Der Baumstamm, so abgestorben er auch aussieht, ist der Nährboden für die jungen Triebe, für einen neuen, schönen Baum.

Kann das denn auch in meinem Leben Wirklichkeit werden?

JA!

Hoffnung leuchtet auf: aus meiner kaputten Kindheit lässt Du, Gott, neues Leben wachsen. Noch sind die Triebe zart. Aber das neue Leben wächst in mir, manchmal für mich schwer erkennbar. Aber unter Deiner Pflege wird ein kräftiger Baum, aus dem Nährboden des alten abgeholzten, entstehen.

„Ich kann mich manchmal nicht ausstehen!“

Da ist Jesus aber ganz anderer Meinung:

Deine Persönlichkeit ist wie eine Perle, schön geformt und strahlend vor Glanz, eingebettet in eine Muschel voll weiblicher Rundungen.

Perle – Collage © hsr

Bitte glaub das und vergib dir selbst, wo du dich nicht ausstehen konntest und kannst.

Sprechbarriere

Gefängnis des Schweigens – Mischtechnik © hsr

Ich würde so gerne reden können, mich mitteilen können oder auch in Gesprächen mitreden. Doch ich kann nicht. In mir ist eine automatische Sperre, die sagt „Stopp!“, die mir meinen Mund verschließt, die mich einschließt.

Jesus, ich will heraus!!!

Mir wurde in meiner Kindheit das Maul gestopft durch abfällige Bemerkungen: „Sei still, jetzt rede ich, ein Erwachsener!“ und „Was hast du mir schon zu sagen?“. Mit „Wenn du das verrätst, dann…“ wurde ich unter Druck gesetzt.

Jesus, durchbreche Du mein Gefängnis des Schweigens. Ich bekenne Dir, dass ich mich habe knebeln lassen durch die mir zugesprochenen Halbwahrheiten. Doch jetzt soll damit ein Ende sein. Hole Du mir zärtlich und liebevoll,den Knebel aus meinem Mund. Danke, dass Du am Kreuz mit Deinem eigenen Leiden auch diese Knebelung auf Dich genommen hast, so dass ich nun frei ausgehen darf.

Und Jesus, mein Mund ist nach jahrelanger Knebelung noch ganz benommen und taub. Komm Du durch Deinen Geist in meine Sprachwerkzeuge, trainiere Du sie, dass sie das Sprechen, das Sich Mitteilen, das Sich ins Gespräch Einbringen neu lernen. Rehabilitiere mich als ganze Person und führe mich zurück in eine Welt der Kommunikation.

Das erste Weihnachten – eine heile Welt?

Beduinenzelte in Israel © hsr

Das erste Weihnachten – eine heile Welt?

Die beiden waren jung und unerfahren. Nur durch äußere Hilfe – durch einen Engel – blieben sie zusammen. Die Zukunft war ungewiss. Sie waren von Nazareth aufgebrochen – weg vom alten, routinierten Leben, auf einem langen und mühsamen Fußweg, durch unwirtliche Witterungsverhältnisse hindurch.

Die Schwangerschaft fällt in eine ungünstige Zeit. Sie fragen sich: Warum ist unser Leben so beschwerlich? Warum passiert diese Volkszählung gerade jetzt und uns?

Aber Maria ist schon froh darüber, trotz Blicken und Kommentaren, dass sie leben darf, dass sie nicht – wie damals üblich – dem Ehrenmord preisgegeben wurde. Nun sitzt sie in der Fremde, notdürftig ein Dach über dem Kopf. Sie fragt sich: Was soll mit dem Kind werden? Es ist so verletzlich in meinen Armen. Da hat mir Gott aber einiges eingebrockt und zugemutet. Sie stillt ihr Kind und ist ganz eingenommen vom Kind.

Stille, heilige Nacht – na, die habe ich mir aber anders vorgestellt: verklärt, harmonisch, fernab der rauen, ungemütlichen Wirklichkeit.

Gott, Du bist so anders. Bei Dir geschehen heilige Dinge mitten im normalen Leben, fernab von Lobpreisstimmung und „erhebender“ Andacht.

Du, der Heiler der Welt, komm du heute in meine nicht heile Welt.

Leben!!!

Bin ich erst dann etwas wert, wenn ich mich für andere einsetze oder ganz viel arbeite und leiste?

Worauf fußt deine Daseinsberechtigung? Das folgende Gebet ist meine Antwort:

Gott Vater,

Du hast mich erwählt vor Anbeginn der Welt und gewollt, dass es mich gibt. Du hast mich als Schöpfer ins Dasein gerufen. Und Du hast mir mein Leben bis zum heutigen Tag erhalten. Ich bin Dein!

Jesus, mein Retter,

ich sage aller Koalition mit dem Feind – Mr Dunkel – durch Selbsthass, Minderwertigkeit oder Selbstmitleid ab und lege dies alles auf Dein Kreuz. Du hast den Tod – die größte Bedrohung meines Daseins – überwunden und bist zum Leben wieder erwacht. So werde ich auch durch Dich zum Leben und zur Lebendigkeit zurückfinden. In Dir, Jesus, bin ich Überwinderin!

Heiliger Geist,

komm Du in mein Dasein und hilf mir, entspannt einfach da zu sein, ohne mir mein Recht auf Leben durch Für-Andere-Dasein zu verdienen!

Lass mich teilhaben an Deiner Freude über mir und jeden Tag meines Lebens „feiern“. Lass mich teilhaben an Deiner Liebe zu mir und dadurch mich selbst mögen.

„Made by Eli“ Aquarell – © hsr

Ich will für andere da sein, so wie ich auch für mich selbst da sein will. Ich möchte nach den Wünsche anderer fragen, ebenso wie ich auch meine eigenen Wünsche erspüren möchte. Ich will auf die Bedürfnisse anderer so eingehen, wie ich auch auf meine eigenen Bedürfnisse eingehe. Die Meinung anderer ist mir wichtig, wie mir auch meine eigene Meinung wichtig ist.

Danke, Jesus, dass mein Dasein Dir unendlich wichtig ist.

Rohzustand

Jesus, ich fühle mich so, als ob ich keine Haut hätte und rohes Fleisch überall hervorschaut, so unendlich verletzlich. Und ich weiß jetzt, dass viele Grenzüberschreitungen und Manipulationen mich in diesen Zustand gebracht haben.

„Von Glassplitter verletzt“ Mischtechnik -© hsr

In diesem „Rohzustand“ bin ich zwischen Wut und Nicht-Wahr-Haben-Wollen gegenüber dem Schuldigen hin- und hergerissen. Ich kann mich selbst kaum aushalten.

Doch, Gott, Du hältst mich – in und mit – meiner Not aus.

Du bist stark genug, von diesem inneren Schmerz nicht überwältigt zu werden. Und Du kannst mir wieder selbst Hoffnung auf Heilung geben.

Zärtlich liebender Vater, umgib mich mit dem Mantel Deines Schutzes und der Geborgenheit.

Hindernisse

Manchmal erscheint mir mein Leben so schwer, mit meterhohen Hindernissen:

Wie kann ich nur meinen abgrundtiefen Ekel, meine Scham, meine Schuldgefühle, meine Wut – gegenüber mir und dem Täter – überwinden?

Für mich sind diese Hindernisse unüberwindlich wie der Mount Everest. Bei allen eigenen Bemühungen, allem Abstrampeln, sie eigenständig erklimmen zu wollen, werde ich kläglich versagen und abrutschen.

Wie kann ich mit diesen Altlasten jemals wieder fröhlich sein, einem Menschen vertrauen und ihn an mich heranlassen, eine Beziehung verbindlich eingehen?

Doch, Du, Gott, bietest mir Deine Hilfe an:

„Überwinden“ Collage – © hsr

Ich darf bei Dir, wie bei einem großen Vogel, aufsitzen. Du willst und kannst, mit mir zusammen, diese Hürden überwinden und der Sonne entgegenfliegen.

Der Eisberg in mir

Der Eisberg in mir, kaum wahrnehmbar, schmilzt. Die ihn umgebende Wärme der Liebe Gottes lässt ihn langsam auftauen, an der Oberfläche zu Wasser schmelzen.

Doch er schmilzt auch von innen. Wasser taut und fließt ab. Gletscherspalten entstehen und irgendwann bricht ein gefrorener Eisbrocken ab.

„Schmelzender Eisberg im Jasper National Park in Kanada“ © hsr

Jesus, durch die Erfahrungen des Missbrauchs habe ich mich innerlich zusammengezogen. Ich bin kalt geworden und erstarrt. Ich bin ein Eisberg – „cool“ – unfähig, wirklich zu lieben und Liebe an mich heranzulassen. Komm Du und wärme mich von außen durch die Sonne Deiner Liebe, dass – langsam, aber sicher und stetig – meine harte Eiskruste schmilzt und von mir Wasser abfließt, das andere erfrischt.

Jesus, komm Du mit Deinem Feuer auch von innen in mich hinein. Schmelze und reinige mich, dass meine „coolen“ Verhaltensweisen der Distanz und der Abwehr von mir abfallen.

Warum?

Warum, Jesus? Warum ich? Ich verstehe Dich einfach nicht. Warum musste mir so etwas zustoßen? Hättest Du dies nicht alles verhindern können? Wo warst Du damals? Was hast Du gespürt, als es passierte? Oder hast Du einfach weggesehen?

„Fragen ohne Antwort“ Mischtechnik © hsr

Jesus, Du bist eine gute Adresse für meine Warum?-Fragen. Meine Klage ist bei Dir gut aufgehoben. Du kannst mich in meinem Schmerz aushalten. Menschen würden sich jetzt abwenden. Sie können es nicht ertragen, wenn man so viel klagt, und erst gar nicht, wenn man sie persönlich anklagt. Doch bei Dir, Jesus, bin ich in guter Gesellschaft. Du selbst hast im größten Schmerz, als Du am Kreuz hingst, gerufen: „Warum hast Du, Gott, mich verlassen?“ Und so bist Du bestens in der Lage, mein Schmerz zu verstehen und meine Wut auszuhalten.

Du hast zwar den Schuldigen nicht bei seiner Tat aufgehalten, doch Du hast geweint, als es passierte. Du hättest mich danach am liebsten in die Arme genommen und mich wie ein liebender Vater geherzt. Du hast die Nachsorge für mein blutendes Herz übernommen und mir versprochen, dass trotz allem, Dein Wirken an mir sichtbar wird.

Jesus, ich glaube Dir.