Das erste Weihnachten – eine heile Welt?

Beduinenzelte in Israel © hsr

Das erste Weihnachten – eine heile Welt?

Die beiden waren jung und unerfahren. Nur durch äußere Hilfe – durch einen Engel – blieben sie zusammen. Die Zukunft war ungewiss. Sie waren von Nazareth aufgebrochen – weg vom alten, routinierten Leben, auf einem langen und mühsamen Fußweg, durch unwirtliche Witterungsverhältnisse hindurch.

Die Schwangerschaft fällt in eine ungünstige Zeit. Sie fragen sich: Warum ist unser Leben so beschwerlich? Warum passiert diese Volkszählung gerade jetzt und uns?

Aber Maria ist schon froh darüber, trotz Blicken und Kommentaren, dass sie leben darf, dass sie nicht – wie damals üblich – dem Ehrenmord preisgegeben wurde. Nun sitzt sie in der Fremde, notdürftig ein Dach über dem Kopf. Sie fragt sich: Was soll mit dem Kind werden? Es ist so verletzlich in meinen Armen. Da hat mir Gott aber einiges eingebrockt und zugemutet. Sie stillt ihr Kind und ist ganz eingenommen vom Kind.

Stille, heilige Nacht – na, die habe ich mir aber anders vorgestellt: verklärt, harmonisch, fernab der rauen, ungemütlichen Wirklichkeit.

Gott, Du bist so anders. Bei Dir geschehen heilige Dinge mitten im normalen Leben, fernab von Lobpreisstimmung und „erhebender“ Andacht.

Du, der Heiler der Welt, komm du heute in meine nicht heile Welt.

Leben!!!

Bin ich erst dann etwas wert, wenn ich mich für andere einsetze oder ganz viel arbeite und leiste?

Worauf fußt deine Daseinsberechtigung? Das folgende Gebet ist meine Antwort:

Gott Vater,

Du hast mich erwählt vor Anbeginn der Welt und gewollt, dass es mich gibt. Du hast mich als Schöpfer ins Dasein gerufen. Und Du hast mir mein Leben bis zum heutigen Tag erhalten. Ich bin Dein!

Jesus, mein Retter,

ich sage aller Koalition mit dem Feind – Mr Dunkel – durch Selbsthass, Minderwertigkeit oder Selbstmitleid ab und lege dies alles auf Dein Kreuz. Du hast den Tod – die größte Bedrohung meines Daseins – überwunden und bist zum Leben wieder erwacht. So werde ich auch durch Dich zum Leben und zur Lebendigkeit zurückfinden. In Dir, Jesus, bin ich Überwinderin!

Heiliger Geist,

komm Du in mein Dasein und hilf mir, entspannt einfach da zu sein, ohne mir mein Recht auf Leben durch Für-Andere-Dasein zu verdienen!

Lass mich teilhaben an Deiner Freude über mir und jeden Tag meines Lebens „feiern“. Lass mich teilhaben an Deiner Liebe zu mir und dadurch mich selbst mögen.

„Made by Eli“ Aquarell – © hsr

Ich will für andere da sein, so wie ich auch für mich selbst da sein will. Ich möchte nach den Wünsche anderer fragen, ebenso wie ich auch meine eigenen Wünsche erspüren möchte. Ich will auf die Bedürfnisse anderer so eingehen, wie ich auch auf meine eigenen Bedürfnisse eingehe. Die Meinung anderer ist mir wichtig, wie mir auch meine eigene Meinung wichtig ist.

Danke, Jesus, dass mein Dasein Dir unendlich wichtig ist.

Kann ich meinem Verstand trauen?

„Vertraue auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand; erkenne ihn auf allen deinen Wegen, so wird er deine Pfade ebnen… Halte dich nicht selbst für weise.“ (Sprüche Kapitel 3, Verse 5 – 7)

Als ich kürzlich mit Kollegen im An-dacht-sraum der (evangelischen) Schule gebetet habe, wurde uns deutlich, dass in diesem Raum viel über Gott nachgedacht wurde, er aber kaum angebetet wurde. Das hat mich stutzig gemacht. Und ich habe überlegt, in unseren Andachten und Gesprächen mit Schülern ist das oft auch so. Wir reden über Gott – aber nicht mit ihm.

„Intimität“ Aquarell – © hsr

Mir scheint, dass ich als Pädagoge dem rationalen Denken einen großen Stellenwert einräume. Und ja, das Denken und die Vernunft sind eine herrliche Gabe Gottes, für die ich dankbar bin und die ich wertschätze.

Aber wo habe ich in unserem „Bildungsgeschäft“ auch den humanistischen Zeitgeist wie ein uns ansteckender Virus eingefangen, dass ich glaube, Bildung sei allein „jene kritische Rationalität des Menschen, die ihm Einblick in die gesellschaftlichen Bedingungen seiner Existenz ermöglicht und die ihn veranlasst, im Namen der Vernunft und Gerechtigkeit an der Verbesserung des individuellen und sozialen Lebens in Richtung zunehmende Menschlichkeit mitzuwirken“ (Erich Weber: Pädagogik – eine Einführung, Auer- Verlag, 7.Aufl. Donauwörth, 1972, S.64)?

Ist die Vernunft – meine eigene und die der Lernenden – zu einem modernen Götzen geworden, auf die wir vor allem zähle und nach der wir uns richten?

Jesus, vergib mir, wo ich mich als Lehrende selbst für weise gehalten habe und eher meiner Vernunft und logischen Überlegungen gefolgt bin als Dir. Herr, ich löse mich von diesem Denken und bete Dich allein an.

Rohzustand

Jesus, ich fühle mich so, als ob ich keine Haut hätte und rohes Fleisch überall hervorschaut, so unendlich verletzlich. Und ich weiß jetzt, dass viele Grenzüberschreitungen und Manipulationen mich in diesen Zustand gebracht haben.

„Von Glassplitter verletzt“ Mischtechnik -© hsr

In diesem „Rohzustand“ bin ich zwischen Wut und Nicht-Wahr-Haben-Wollen gegenüber dem Schuldigen hin- und hergerissen. Ich kann mich selbst kaum aushalten.

Doch, Gott, Du hältst mich – in und mit – meiner Not aus.

Du bist stark genug, von diesem inneren Schmerz nicht überwältigt zu werden. Und Du kannst mir wieder selbst Hoffnung auf Heilung geben.

Zärtlich liebender Vater, umgib mich mit dem Mantel Deines Schutzes und der Geborgenheit.

Gestalten oder Laufen lassen?

So schuf Gott den Menschen als sein Ebenbild, als Mann und Frau schuf er sie. Er segnete sie und sprach: „Vermehrt euch, bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz. Ihr sollt Autorität haben über alle Tiere …“ (1.Mose 1, 27-28)

Du hast ihm [dem Menschen] den Auftrag gegeben, über deine Geschöpfe zu herrschen. Alles hast du ihm zu Füßen gelegt.“ (Psalm 8,7)

Geliebtes Geschöpf,

als ich dich erfunden und erschaffen habe, hatte ich den Gedanken, dass du stellvertretend für mich diese Erde regieren sollst. Und diesen Gedanken habe ich noch nicht rückgängig gemacht. Das heißt, du sollst positiv über deine Umgebung „herrschen“ und sie – ohne Zwang und Manipulation – prägen. Du sollst sie aktiv gestalten und formen. Dies gilt auch für deine Klasse. Deshalb tritt heraus aus deiner bisherigen „Lass-alles-laufen-Passivität“ und tritt in meine Fußspuren des aktiven Gestaltens und Eingreifens. Du wirst sehen, was für ein schöpferischer Prozess dies ist.

Mein Sohn Jesus war ein lebendes Beispiel eines dienenden Königs, der seine Autorität eingesetzt hat, um seinen Schülern (auch Jünger genannt) und anderen Menschen zu fördern. Und das wünsche ich mir für dich auch. Dein Mandat als Lehrer ist auch so ein „dienender König“ zu sein. Übrigens gibt es für so einen König eine Verheißung, die in meinem Buch steht:

„Sonnenaufgang über den Alpen“ © hsr

„Ein König, der gerecht regiert und Gott mit Ehrfurcht begegnet, gleicht der Morgensonne, die nach einem Regenschauer am wolkenlosen Himmel steht: Unter ihren warmen Strahlen sprießen die Pflanzen [die Lernenden] aus der Erde hervor (2. Samuel 23, 3-4).“

Dein Schöpfer

Herr, ich habe mit meiner bisherigen Passivität gegen deine Schöpfungsgedanken gehandelt. Ich trete aus ihr heraus und bekenne sie dir und lege sie bei dir am Kreuz als Sünde ab. Stärke du mich, dass ich aktiv mein Leben und meine Umgebung gestalte.

Hindernisse

Manchmal erscheint mir mein Leben so schwer, mit meterhohen Hindernissen:

Wie kann ich nur meinen abgrundtiefen Ekel, meine Scham, meine Schuldgefühle, meine Wut – gegenüber mir und dem Täter – überwinden?

Für mich sind diese Hindernisse unüberwindlich wie der Mount Everest. Bei allen eigenen Bemühungen, allem Abstrampeln, sie eigenständig erklimmen zu wollen, werde ich kläglich versagen und abrutschen.

Wie kann ich mit diesen Altlasten jemals wieder fröhlich sein, einem Menschen vertrauen und ihn an mich heranlassen, eine Beziehung verbindlich eingehen?

Doch, Du, Gott, bietest mir Deine Hilfe an:

„Überwinden“ Collage – © hsr

Ich darf bei Dir, wie bei einem großen Vogel, aufsitzen. Du willst und kannst, mit mir zusammen, diese Hürden überwinden und der Sonne entgegenfliegen.

Der Eisberg in mir

Der Eisberg in mir, kaum wahrnehmbar, schmilzt. Die ihn umgebende Wärme der Liebe Gottes lässt ihn langsam auftauen, an der Oberfläche zu Wasser schmelzen.

Doch er schmilzt auch von innen. Wasser taut und fließt ab. Gletscherspalten entstehen und irgendwann bricht ein gefrorener Eisbrocken ab.

„Schmelzender Eisberg im Jasper National Park in Kanada“ © hsr

Jesus, durch die Erfahrungen des Missbrauchs habe ich mich innerlich zusammengezogen. Ich bin kalt geworden und erstarrt. Ich bin ein Eisberg – „cool“ – unfähig, wirklich zu lieben und Liebe an mich heranzulassen. Komm Du und wärme mich von außen durch die Sonne Deiner Liebe, dass – langsam, aber sicher und stetig – meine harte Eiskruste schmilzt und von mir Wasser abfließt, das andere erfrischt.

Jesus, komm Du mit Deinem Feuer auch von innen in mich hinein. Schmelze und reinige mich, dass meine „coolen“ Verhaltensweisen der Distanz und der Abwehr von mir abfallen.

Geschlossene Weltsicht

Ab und zu erkenne ich, wie ich folgendem Gottes und Welt-Bild verfallen bin: Gott hat die Welt und das Universum geschaffen – als eine geschlossene Einheit. Er hat sie dann aber sich selbst überlassen – wie eine Uhr, die er aufgezogen hat. Und er hat sich dann zurückgezogen oder beobachtet uns von außen wie durch ein Glasfenster hindurch. Diese Sicht, die ganze viele Menschen teilen, hat Auswirkungen z.B. dass ich mich letztendlich allein auf mich gestellt fühle – wie ein Waisenkind im riesigen Universum. Es gibt zwar vielleicht einen Gott als Urheber, aber der hält sich außerhalb meiner Welt und meiner Reichweite auf. Es existiert vielleicht noch ein Hinweisschild von Gott:

„In Notfällen zerbrich das Glas!“,

so dass ich mich in schwierigen Situationen an ihn wenden kann.

Die Bibel zeichnet ein anderes Bild von Gott und der Welt: In der Bibel ist Gott eine Persönlichkeit, der seine Schöpfung nicht alleine gelassen hat, sondern sie jede Sekunde am Leben erhält. (Psalm 30,3) Der auferstandene Christus platzt an den verschiedensten Stellen bei seinen Freunden herein. (Johannes 20,19ff) Und der heilige Geist ist aktiv bei und in jedem, der sein Leben für ihn geöffnet hat:

„Wenn der Geist der Wahrheit kommt, wird er euch zum vollen Verständnis der Wahrheit führen.“ (Johannes 16,13)

Wir leben also in einer Welt, die nach „oben“– zu Gott hin – offen ist.

Heiliger Geist,

führe Du mich in die Wahrheit hinein, dass ich erkenne, in welchen Situationen des Alltags ich mit meiner geschlossenen Weltsicht vernebelt bin und platze Du in meinen Schulalltag hinein, wenn ich Deine Gegenwart dort vergesse.

Warum?

Warum, Jesus? Warum ich? Ich verstehe Dich einfach nicht. Warum musste mir so etwas zustoßen? Hättest Du dies nicht alles verhindern können? Wo warst Du damals? Was hast Du gespürt, als es passierte? Oder hast Du einfach weggesehen?

„Fragen ohne Antwort“ Mischtechnik © hsr

Jesus, Du bist eine gute Adresse für meine Warum?-Fragen. Meine Klage ist bei Dir gut aufgehoben. Du kannst mich in meinem Schmerz aushalten. Menschen würden sich jetzt abwenden. Sie können es nicht ertragen, wenn man so viel klagt, und erst gar nicht, wenn man sie persönlich anklagt. Doch bei Dir, Jesus, bin ich in guter Gesellschaft. Du selbst hast im größten Schmerz, als Du am Kreuz hingst, gerufen: „Warum hast Du, Gott, mich verlassen?“ Und so bist Du bestens in der Lage, mein Schmerz zu verstehen und meine Wut auszuhalten.

Du hast zwar den Schuldigen nicht bei seiner Tat aufgehalten, doch Du hast geweint, als es passierte. Du hättest mich danach am liebsten in die Arme genommen und mich wie ein liebender Vater geherzt. Du hast die Nachsorge für mein blutendes Herz übernommen und mir versprochen, dass trotz allem, Dein Wirken an mir sichtbar wird.

Jesus, ich glaube Dir.